| Auch manch einfache Schaltung
kann zu unerwarteten Problemen führen. Und es ist kaum zu vermuten,
daß Störstrahlungen auch von Gleichrichterbrücken herrühren
können, die eigentlich zu den passiven Schaltungen zählen.
Die Eingangswechselspannung ist unter
Idealbedingungen rein sinusförmig. Und nach dem Brückengleichrichter
sollte die Sinusform jeder Halbwelle erhalten bleiben. Dem ist aber nicht
so. In der Ausgangsspannung trten in der Nähe des Nullpunktes Sprünge
auf. Die Ursache liegt darin, daß an den Gleichrichtern in Durchlaßrichtung
die Flußspannung Uf abfällt. Bei einem Brückengleichrichter
liegen immer die beiden gegenüberliegenden Dioden in Reihe. Deshalb
muß die Eingangsspannung erst einmal die doppelte Flußspannung
2 x Uf überwinden, bevor der Gleichrichter leitend wird.
Wie wir nun von den Fourierreihen
her wissen kann jede nichtsinusförmige Spannung durch eine unendliche
Reihe von phasenverschobenen Sinusfunktionen unterschiedlicher Amplitude
nachgebildet werden. Das heißt gleichzeitig, daß diese einfache
Schaltung Störstrahlung erzeugt.
Gleichzeitig tritt noch ein anderer
Effekt auf. Wenn die Flußspannung der Diode erreicht ist, wird sie
nicht sofort leitend. Das geschieht erst nach einer gewissen Verzögerungszeit,
die vom Diodentyp abhängt. In der Zwischenzeit ist die Eingangsspannung
aber bereits ein Stück weiter angestiegen. Auch dies führt zu
einer Spannungsspitze, die erst nach dem leitend werden der Dioden wieder
zusammenbricht. Dieses Verhalten läßt sich mit einem guten Oszilloskop
nachweisen.
Beide Effekte führen zu einer
Störstrahlung der Gleichrichterbrücke. Die Größe der
Störstrahlung hängt von der Höhe (und damit der Anstiegsgeschwindigkeit)
der Eingangsspannung und vom Zeitverhalten der Dioden ab. Sie kann hochempfindliche
Geräte wie z.B. Empfängerschaltungen stören.
Wegen der nur einfach auftretenden
Flußspannung bei Einweggleichrichtern ist dort dieses Problem nicht
ganz so kritisch. |